Zu den Vorläufern der Volkshochschulen zählen die „Universitätsausdehnungs-bewegung“ Ende des 19. Jahrhunderts, das öffentliche Vortragswesen sowie die Bildungsarbeit der Arbeiter- und Handwerker-Bildungsvereine.
Als erste Volkshochschule wird oft die Humboldt-Akademie bezeichnet, in welcher ab 1879 in Vortragszyklen wissenschaftliche Ergebnisse in populärer Form den nicht-akademisch gebildeten Bürgern vermittelt wurden.
Einen nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung der Volkshochschulen in Deutschland hatte auch die dänische Heimvolkshochschule Grundtvigscher Prägung.
Nikolai Frederik Severin Grundtvig gilt als der Begründer der ersten Volkshochschule überhaupt im Jahre 1844.
Die erste deutsche Volkshochschule entstand im Deutschen Reich am 13. Januar 1902 im Bürgersaal des Roten Rathauses in Berlin. Weitere entstanden in der Zeit der Weimarer Republik. Im Artikel 148 der Reichsverfassung von 1919 wurde die Förderung des Bildungswesens, einschließlich der Volkshochschulen, erstmalig gesetzlich verankert.
So schreibt der Frankfurter Volksfreund in seiner Ausgabe vom 3. August 1919: „Nach den Ferien wird der Stadtverordnetenversammlung endlich auch der Entwurf einer Satzung für die in Frankfurt a.O. als städtische Anstalt zu errichtende Volkshochschule zugehen. Nach der Satzung bezweckt sie die Schaffung einer Arbeitsgemeinschaft zwischen den werktätigen Volksgenossen und den Arbeitern in geistigen Werkstätten aller Art, um die in unserer Stadt vorhandenen Schätze an Bildung und Wissen weitesten Kreisen zu erschließen und Persönlichkeiten mit selbständiger Lebensanschauung und klarem eigenen Urteil heranzubilden.“
Frankfurter Oderzeitung vom 10.08.1919
Im erhaltenen Programm des zweiten Lehrgangs ab Februar 1920 finden sich Themen wie
• Chemie der Nahrungs- und Genussmittel, auch Kriegsersatzmittel,
und ihre Wirkung auf den menschlichen Körper,
(Oberlehrer Dr. Albrecht)
• Presse- und öffentliche Meinung, Vorlesung über die Geschichte des
Zeitungswesens (Hauptschriftleiter Dr. Barberadt)
• Haus und Wohnung des Frankfurter Bürgers vom 30jährigen Krieg bis
zur Neuzeit, mit Lichtbildern und Führungen
(Regierungsbauführer Dr. Berger-Schäfer)
• Dichtung und Bühne (Oberlehrer Dr. Groeper)
• Einführung in die Philosophie und Weltanschauung Kants
(Oberlehrer Dr. Körnchen)
• Deutschlands große Physiker, ihr Leben und ihre Leistungen
(Oberlehrer Dr. Lonius)
• Plötzliche Unglücksfälle deren Verhütung und Notbehandlung
(Ge. Sanitätsrat Prof. Dr. Pernice)
Die Vorlesungen fanden im Lesesaal der Städtischen Bücherei statt, man musste sich verbindlich anmelden und die Vorlesungsreihe (6-10 Einzelvorlesungen) kostete 5 Mark, ein halbjährlicher Sprachkursus (Übungen in der deutschen Sprache) 20 Mark.
Quelle: Stadtarchiv Frankfurt (Oder)
Zwischen 1900 - 1933 wurden die Volkshochschulen zu den in Deutschland am stärksten verbreiteten Einrichtungen in der Erwachsenenbildung. In fast allen (Kreis) Städten sind Gründungen zu verzeichnen.
In der statistischen Übersicht der Stadt Frankfurt (Oder) aus den Jahren 1926-1928 liegen folgende Zahlen vor (Quelle: Stadtarchiv Frankfurt (Oder):
Winter-halbjahr
Hörer
VL
ges.
Vorlesungen nach Wissensgeb.
Hörer nach Wissensgebiet
m.
w.
zus.
I
II
III
IV
V
I
II
III
IV
V
1926/27
180
243
423
17
3
4
1
5
4
74
129
61
95
64
1927/28
139
202
341
14
1
4
2
5
2
9
94
69
155
14
Okt./Dez.1928
129
272
401
21
3
2
2
7
7
34
43
109
135
80
I. Naturwissenschaften; II. Staatswissenschaften, Geschichte; III. Philosophie, Religion; IV. Kunst; V.Sprachkurse
Den zahlenmäßig größten Anteil der Hörer machten damals Angestellte, Lehrer an Volks- und Mittelschulen, Schüler und Studenten aus. Wie heute auch waren die weiblichen Hörer in der Mehrzahl.
In der NS-Zeit wurden die Volkshochschulen verboten. Für Frankfurt (Oder) ist noch der Versuch der Vereinnahmung durch nationalsozialistischen Ideen in der Programmgestaltung nachgewiesen.
Siehe Frankfurter Oderzeitung vom 16. November 1933 „Die Frankfurter Volkshochschule auf nationalsozialistischer Grundlage“
und vom 17. August 1934: „Zur Eröffnung der NS-Volkshochschule Frankfurt (Oder)“.