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Volkshochschule Frankfurt Oder
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Volkshochschule Frankfurt (Oder)


 

Ein Blick zurück: Interview mit ehemaligen Lehrerinnen

Im Mai 2009 trafen sich vier ehemalige Lehrerinnen und die Verwaltungsleiterin der Volkshochschule mit der jetzigen Leiterin, die die Beteiligten gebeten hatte, gemeinsam einen Blick zurück auf die Einrichtung in den 60er bis 90er Jahre zu werfen. Die Erinnerungen sind natürlich vom persönlichen Erleben gefärbt und ergeben kein rundes Bild der Volkshochschule Frankfurt (Oder). Einige Dinge sollen hier trotzdem dargestellt werden. 
 
Ehemalige Mitarbeiterinnen der VHS


Dabei waren, von links nach rechts:
Ruth Kniese (80),
erste hauptamtliche Lehrerin für Deutsch und Englisch mit voller Stundenzahl an der VHS, später auch stellvertretende Direktorin, tätig von 1960 - 1989.

Lieselotte Richter (73), in den 60er Jahren zunächst nebenberuflich tätig in Tageslehrgängen zur Fachhochschulvorbereitung, hauptamtlich angestellt als Mathematiklehrerin in allen Klassenstufen ab den 70er Jahren bis 1992;, seit Ende der 80er Jahre zusätzlich Bereichsleiterin für kulturelle Bildung, seit Ende 1990 (Erkrankung und Tod des damaligen Direktors) bis Oktober 1991 kommissarische Leitung.

Franka Keding (72), vom 01.09.1968 bis Sommer 1992 als Vollzeitkraft für Deutsch in allen Klassenstufen, für Deutsch als Fremdsprache, Deutsch für den Beruf und als Bereichsleiterin für Sprachen an der VHS tätig.

Carola Christen (53), Leiterin seit 1991, davor, seit 1980 als nebenberufliche Dozentin in den Fächern, Deutsch, Russisch, Englisch und Deutsch als Fremdsprache tätig.

Erika Schmidtbauer (75), zunächst nebenberuflich, dann, von 1982 bis zum Renteneintritt 1993 hauptamtlich als Mathematik- und Physiklehrerin tätig.

Traute Engel (83), Verwaltungsleiterin der Volkshochschule vom 15.01.1958 bis 31.03.1992


Der weiteste Blick zurück ins Jahr 1958 machte deutlich, dass die Volkshochschule seinerzeit ein Zwei-Personen-Betrieb war. Direktor und Verwaltungsleiterin waren für die Gesamtorganisation und die Umsetzung der (vorgegebenen) Jahrespläne verantwortlich. Bis 1960 gab es ausschließlich nebenberuflich tätige Lehrkräfte, die auf Honorarbasis arbeiteten. Der Unterricht fand nicht an einem Ort statt, sondern über die ganze Stadt verteilt. Sicher kein einfaches Arbeiten, wenn z.B. trotz „Kohlenkrise“ der abendliche Unterricht laufen musste.

Auf die Frage nach der ganz persönlichen Situation zu Beginn der eigenen Arbeit erinnert sich z.B. Frau Keding:
„Ich hatte keine Praxis in der Abiturstufe, nur die Ausbildung dafür. Und plötzlich stand ich vor Erwachsenen, die zum Teil älter waren als ich selbst. Ich hatte großen Respekt, weil diese Menschen sich noch einmal auf die Schulbank gesetzt hatten und einen unwahrscheinlichen Willen zeigten, entweder einen Schulabschluss der beruflichen Entwicklung wegen nachzuholen oder weil deren Kinder inzwischen einen höheren Abschluss hatten. Da hatten diese Erwachsenen eine ganz andere Motivation. Das alles neben ihrer Arbeit, zum Teil im Schichtdienst, dreimal in der Woche, auch samstags bis halb zwei… .“

Frau Richter: „Das waren die besten Klassen, die wir hatten, am Anfang.“

Frau Keding: „Die waren leistungsmäßig nicht immer Eins, aber sie haben sich so fundiertes Wissen angeeignet, das saß auch…Die haben das gepackt. Und wir hatten ja zentrale Abituraufgaben, nach dem gleichen Lehrplan wie an der Regelschule. Später, als die Teilnehmer jünger waren (Mindestalter war 18), ließ die Motivation etwas nach; die Haltung wurde irgendwie lockerer.“

Die Frage, ob der Zugang zur Volkshochschule reglementiert war, blieb unvollständig beantwortet. So viel wurde deutlich, dass die Listen der Angemeldeten für das Abitur (bei der Abteilung Volksbildung?) eingereicht werden mussten und überprüft wurden.
Die Genehmigung, den Abiturlehrgang zu besuchen, war auch abhängig vom späteren Studienwunsch. Unter anderem blieb Frauen, die ihre Kinder zu Hause betreuten und das Abitur zunächst nur anstrebten, um einen höheren Schulabschluss zu erwerben, ohne angeben zu können, ob und wann sie studieren wollten, der Zugang verwehrt.

Seit Ende der 50er Jahre gab es eine starke Orientierung auf den schulischen Bereich und das Nachholen beruflicher Abschlüsse. Welche waren das? Welche Angebote gab es noch?

Frau Kniese: „Ich weiß nur vom Anfang, dass es die 8.; 10. und 12. Klasse sowie eine Sonderreife gab. Die Sonderreife war ein Abschluss mit weniger Unterrichtsfächern, Fremdsprachen waren wohl damals noch nicht dabei.“

Frau Keding: „Z.B. hatten diese Kurse im Deutschunterricht zunächst nur Rechtschreibung und Grammatik und erst im zweiten Jahr Literatur, so dass sie dann doch als Abschluss Klasse 10 galten. Es gab auch einzelne Fächer, die, wie z.B. Bio, entsprechend der Stundenplanreglung in der EOS nicht unterrichtet wurden. Schüler der sprachlichen Klassen, die Medizin studieren wollten, kamen dann zu uns.“

Frau Kniese: „Es gab auch Einzelunterricht für besondere Leute. Zum Beispiel hatte ich Einzelunterricht für einen Redakteur der Zeitung, der den Sprachkundigen¬abschluss (Englisch) machte. Oder für ASK-Sportler, für die gab es dann wegen ihrer Sporteinsätze besondere Unterrichtszeiten.“

Frau Richter: „Auch für bestimmte Einrichtungen gab es Einzelkurse, z.B. Deutsch und Mathe für Mitarbeiter des Rates des Bezirkes, des Gesundheitsamtes, des ASK, des Zolls für Mitarbeiter des „Neuen Tags (heute MOZ). Und die vorbereitenden Lehrgänge auf ein Ingenieurstudium für bestimmte Berufsgruppen, Eisenbahner, Möbelwerker, muss man benennen

Frau Engel: „In den 60er Jahren war der Volkshochschule die Betriebsakademie Landwirtschaft angegliedert, d.h. über die Einrichtung lief die berufliche Qualifizierung von Personen, die in der Landwirtschaft der Region tätig waren. In den 70 er und 80er Jahren wurden Meisterlehrgänge, Lehrgänge für Verwaltungsmitarbeiterinnen, die die Befähigung zur Sekretärin erwerben sollten, eingerichtet und für Kraftfahrer Lehrgänge zum Nachweis des Berufskraftfahrers.

Frau Richter: „Erst zum Ende der 70er Jahre gab es vermehrt zusätzliche Angebote im Bereich der allgemeinen und kulturellen Weiterbildung, z.B. besondere Sprachkurse für Touristen, Tschechisch und Ungarisch, oder Lehrgänge für angewandte Kunst, Pilzlehrgänge, Ausbildung zum Diskjockey, Kurse zum Arbeitsrecht. Gut war die Zusammenarbeit mit dem Kreiskabinett für Kulturarbeit. Man hat sich an uns gewandt und gefragt, ob wir nach vorgegebenem Lehrprogramm Kurse anbieten könnten.“

Gab es denn damals auch Vorgaben, eine bestimmte Einnahmegröße zu erwirtschaften, und Mindesteilnehmerzahlen in Kursen?

Frau Engel: Ja, natürlich gab es eine Vorgabe für die Einnahmen und - dem gegenübergestellt - Ausgabengrenzen. Wenn aber dann die Nachfrage nach bestimmten Lehrgängen und damit die Einnahmesituation größer als geplant war, konnte der Direktor mit der Abteilung Volksbildung über zusätzliche Kurse „nachverhandeln“.

Erinnern Sie sich an ein besonderes Ereignis, eine Anekdote, einen besonderen Schüler?


Frau Keding:
"Wir haben auch Ehen „gestiftet“. Frau und Herr A. haben sich z.B. während des Abiturlehrgangs kennen und lieben gelernt, geheiratet und in den zwei Jahren kam ein Kind zur Welt, das dann sozusagen jüngster Volkshochschulteilnehmer war. Es wurde gemeinschaftlich im Unterricht geschaukelt und umsorgt, damit die jungen Eltern ihre Ausbildung zu Ende bringen konnten. Und sie waren beide sehr gute Schüler!"

Frau Schmidtbauer:
"Für meine AWG-Wohnung habe ich Ziegel stampfen müssen, was ich nicht so gut konnte. Man war jedenfalls nicht mit meiner Arbeit zufrieden. Da hat mir dann der damalige VHS-Direktor den Tipp gegeben, meine Honorarstunden an der VHS anrechnen zu  lassen. Das wurde dann so gemacht und war eine große Erleichterung für mich." (Anmerkung CC: Wer eine AWG-Wohnung beziehen wollte, musste als Genossenschaftsmitglied Aufbaustunden leisten. Nur in Ausnahmefällen konnte man den entsprechenden Geldwert einzahlen.)

Frau Engel:
"Für mich war ein besonderes Erlebnis - weil ja eine so segensreiche Erleichterung - der Kopierer, den wir 1991 erhielten. "
(Anmerkung CC: Der damalige Bundesbildungsminister Möllemann stellte allen Volkshochschulen in den neuen Bundesländern einen qualitativ guten XEROX-Kopierer und eine Papierreserve von 150000 Blatt zur Verfügung. Das Gerät ging leider nach 2 Jahren kaputt und die Stadtverwaltung lehnte eine Reparatur ab, aber das Papier hat uns lange gereicht.)

Die Namen einiger Schüler tauchten während des Gesprächs auch aus dem Gedächtnis auf, den einen oder anderen trifft man noch manchmal. Es gibt schon eine Reihe bekannter Frankfurter, die einen Abschluss an der VHS erworben, danach studiert haben und einen erfolgreichen beruflichen Werdegang als Arzt, Anwalt, Lehrer, Politiker aufweisen können.

Die Wendezeit 1990/1991 - es war ja ursprünglich vorgesehen, die Einrichtung „abzuwickeln“ - ist allen als belastende Zeit in Erinnerung, da die eigene berufliche Zukunft und die der Einrichtung völlig ungewiss waren. Lange war nicht geklärt, ob die Lehrgänge für Schulabschlüsse erhalten bleiben, an welcher Schule man sonst arbeiten könnte oder ob gar mit Entlassung zu rechnen sei. Die Möglichkeit der Vorruhestandsregelung, die einige dann 1992 in Anspruch nahmen, hat das Gefühl der Geringschätzung der eigenen beruflichen Vergangenheit und des Bruchs sicher nur gemildert. Geblieben ist - so die Reaktion auf die Frage, wie man die Volkshochschule heute wahrnimmt - eine große Distanz, aber auch die kollegiale Verbundenheit untereinander - man trifft sich schließlich regelmäßig zu Freizeitaktivitäten.