Landtagsabgeordneter für die SPD bis 2009
Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder) 1992 bis 2002
Wann / wie lange waren Sie an der Volkshochschule? Was haben Sie gemacht / unterrichtet?
Ich war von 1974 bis 1976 an der Volkshochschule und habe dort einen zweijährigen Abiturlehrgang absolviert. Nach meiner Ausbildung zum Elektronikfacharbeiter und ersten beruflichen Erfahrungen habe ich gemerkt, dass das doch nicht meinem Lebensziel entspricht. Ich hatte mich schon vorher für Geografie und Umweltfragen interessiert und wollte mein Hobby zum Beruf machen, am liebsten Meteorologie studieren. Dazu brauchte ich natürlich das Abitur. Im Schichtsystem des Halbleiterwerkes ging das nicht so einfach, also habe ich die Arbeitsstelle gewechselt, habe im Krankenhaus als Dialysetechniker gearbeitet und bin abends in die Volkshochschule gegangen.
Welche besonderen Erinnerungen haben Sie an diese Zeit? (Ein bewegendes Erlebnis? Eine gute Klasse / Gruppe? Nette Kollegen? Jemanden Wichtiges kennen gelernt? Etwas Enttäuschendes?)
Ich kann mich sehr gut an einige Lehrer erinnern, an Herrn Schutz, den Chemielehrer und an Herrn Bartel, den Physiklehrer. Besonders begeistert hat mich natürlich der Geografielehrer. Geografie war auch mein Lieblingsfach. Es waren alles sehr kompetente Lehrer, die einen tollen Fachunterricht gegeben haben. Ja und die Klasse war eine aufgeschlossene Truppe. Man kannte sich gut, aus meinem Freundeskreis waren ja drei, vier Bekannte dabei. Es war eine gute Zeit und es hat Spaß gemacht, obwohl es auch anstrengend war und wir die Sache wirklich ernst nahmen.
Was war damals anders an der VHS als in einer Regelschule? (Unterrichtsklima? Teilnehmer? Kollegen?)
Wir waren alle hoch motiviert bei der Sache, sind mit einem anderen Bewusstsein ans Lernen gegangen, haben uns viel tiefgründiger mit dem Stoff auseinandergesetzt als früher in der Schule. Man war ja inzwischen auch reifer geworden, hatte schon die Berufsausbildung hinter sich und Lebenserfahrung in der Produktion gewonnen. Und daher war auch das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern anders. Den Lehrern war ja bewusst, dass sie Menschen mit Lebenserfahrung, mit einem eigenen Erfahrungshorizont vor sich hatten, die die Dinge differenzierter bewerteten und ernster nahmen als mach jüngerer Schüler in der Regelschule.
Wie nehmen Sie die VHS heute wahr?
Ich nehme die Volkshochschule natürlich aus der Perspektive meiner politischen Aktivitäten als Landtagsabgeordneter Landtagsabgeordneter war und über die Medien, wenn über Angebote und Aktionen berichtet wird. Und auch über Verwandte, die Kurse an der Volkshochschule besucht haben und davon schwärmten. Ich bin immer wieder erstaunt, was die Volkshochschule Frankfurt (Oder) alles anbietet, wie zum Beispiel die Fortbildungsreihe zur Eltern- und Familienbildung oder die 1. Elternuniversität in Frankfurt (Oder).
Was wünschen Sie der Volkshochschule, was geben Sie den (politisch) Verantwortlichen auf den Weg?
Ich denke, dass man als politisch Verantwortlicher den sozialen Auftrag der Volkshochschule, ein für alle sozialen Gruppen bezahlbares und aktuelles Bildungsangebot zu entwickeln und vorzuhalten, wirklich ernst nehmen und dafür auch Bedingungen schaffen muss. Natürlich müssen diese mit Blick auf die Gesamtsituation der Stadt und ihre finanziellen Möglichkeiten gestaltet werden.