Volkshochschule Frankfurt Oder
Beckmannstraße 6
15230 Frankfurt (Oder)
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Volkshochschule Frankfurt (Oder)
Quo vadis VHS?
Volkshochschulen als Teil der Erwachsenenbildung werden in der bildungspolitischen Betrachtung des Gesamtsystems neben den schulischen, beruflichen und universitären Ausbildungsformen als sogenannte vierte Säule des Bildungssystems bezeichnet.
Doch der „Tisch mit vier Beinen“ steht schief. Sich ein Leben lang weiterzubilden wird zwar in unserer schnelllebigen Zeit als Grundvoraussetzung für das berufliche, gesellschaftliche und persönliche Vorankommen gewertet. Dabei wird aber oft genug nur an der Elle der beruflichen Verwertbarkeit gemessen. Lebenslanges Lernen umfasst mehr als die berufliche Anpassung. Und Volkshochschulen sind nach wie vor die Einrichtungen, die den Grundgedanken des lebensbegleitenden Lernens in seiner Vielfalt umsetzen. Sie sichern durch ihre differenzierten Angebote den Zugang unterschiedlichster Zielgruppen zur individuellen Bildung, durch sozial gestaltete Preise gewähren sie Chancengleichheit. Sie greifen gesellschaftliche Probleme auf und wirken innerhalb des Gemeinwesens sozial- und zielgruppenorientiert. Themen wie Grund- und Familienbildung, Integration von ausländischen Mitbürgern, Alphabetisierung sind Beispiele dafür, wie sie auch die Einrichtung in Frankfurt (Oder) umsetzt. Volkshochschulen tragen auch zur sozialen Integration bei. Nicht der Kurs mit seinem Lernziel kann der Grund für den Besuch der Einrichtung sein, sondern das Lernen in der Gemeinschaft, der Austausch mit Gleichgesinnten, manchmal auch der Schutz der Anonymität bei der Beantwortung einer sehr individuellen Frage in einem Workshop.
Auf Grund ihrer effizienten Arbeitsstruktur - eine kleine professionelle pädagogisch planende Kernverwaltung beauftragt frei- und nebenberufliche Lehrkräfte - sind sie flexibel in der Anpassung der Inhalte an die Nachfrage, an Trends und in der Gestaltung von Lerngegebenheiten.
Welche Einrichtung bietet eigentlich sonst noch dieses breite Spektrum unter einem Dach an, zweimal jährlich neu und interessant, zu sozial gestaffelten Preisen? Wer bringt Menschen von 16 bis 65 und älter zusammen?
Nimmt man dieses grundsätzliche Potential ernst, stellt sich die Frage nach dem Auftrag für die Stadt Frankfurt (Oder) und das Umland und nach den zur Umsetzung notwendigen Bedingungen. Dazu gehören eine verlässliche professionelle Arbeitsstruktur, eine Basisfinanzierung, eine erwachsenengerechte Ausstattung und ein für alle gut zu erreichender Standort. Schließlich sind die Teilnehmer/innen auch Kunden und zahlen für die gebotene Leistung, ob in bar oder über ihre Steuergelder.
Die Frage wird auch in Frankfurt (Oder) immer wieder diskutiert, nicht selten werden die Dinge in Frage gestellt, ohne zu sagen, was die Einrichtung dann für wen und in welchem Umfang noch leisten soll und wie Alternativen aussehen könnten.
Mit der Zertifizierung nach dem Qualitätsmanagementsystem LQW im Jahr 2004 wurde ein Leitbild erarbeitet, das den Auftrag unserer Volkshochschule beschreibt. 2007 wurde es aktualisiert und von der Stadtverordnetenversammlung bestätigt.
Mit dem Leitbild schließt sich der Kreis zu den Anfängen 1919:
„…in unserer Stadt vorhandenen Schätze an Bildung und Wissen weitesten Kreisen zu erschließen und Persönlichkeiten mit selbständiger Lebensanschauung und klarem eigenen Urteil heranzubilden.“
Etwas anders formuliert wird die humanistische Idee der Weimarer Volkshochschule heute weitergetragen:
„Wir unterstützen die freie Entfaltung der Persönlichkeit und vermitteln Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten für die eigenverantwortliche Gestaltung des persönlichen Lebens und die Mitgestaltung der Gesellschaft. Wir wollen Perspektiven öffnen, Wissbegierde wecken und Bildungsbedürfnisse aufgreifen.“
(Aus dem Leitbild 2007)
Der Stadtverordnetenbeschluss zumindest scheint eine von zwei notwendigen Antworten auf oben aufgeworfene Frage zu sein. Die zweite Antwort steht noch aus, die des Standortes für die Zukunft.
Gerade die Standortfrage war in Frankfurt (Oder) seit der Neugründung nie geklärt worden. Ca. zehnmal musste die Einrichtung umziehen, von Schule zu Schule, wo gerade etwas Platz war, weil Volkshochschule bis zur Wende eben ausschließlich als Schule gesehen und geführt wurde.
Das ist sie heute nicht mehr. Inhalt, Zielgruppen, Arbeitsweise, Lehr- und Lernformen, Auftrag haben sich verändert. Der Anspruch der Nutzer an Qualität und Professionalität ist gewachsen. Den Veränderungen müssen auch die äußeren Bedingungen angepasst werden, soll die Einrichtung auch zukünftig innovativ und kreativ auf die gesellschaftlichen Herausforderungen reagieren und den Bürgern als Bildungsdienstleister ein ansprechendes Bildungsangebot unterbreiten können. Mit der aktuellen Standortdiskussion werden daher Weichen für die Zukunft gestellt werden.
Übrigens - wer immer es formuliert hat - Bildung kostet Geld, keine Bildung kostet noch mehr Geld. Bildung ist eine Investition, die nicht an den Kosten und an den damit erzielten Einnahmen gemessen werden kann. Sie ist eine nachhaltige Investition in unsere Zukunft, die wir gestalten wollen und müssen.
Carola Christen, Leiterin seit 1991
Interviews mit ehemaligen Lehrerinnen und Teilnehmer/innen
Ein Blick zurück: Interview mit ehemaligen Lehrerinnen
Fragen an Teilnehmer und Mitarbeiter
Struktur und Arbeitsergebnisse seit 1992
VHS in Zahlen und Arbeitsstruktur der VHS