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Am 05.12.1947 erlässt das Land Brandenburg als erstes deutsches Bundesland ein Gesetz über Volkshochschulen.
Für Frankfurt (Oder) erfolgte die Neugründung bereits im Herbst 1947. In der Märkischen Volkszeitung vom November 1947 ist zu lesen:
„um der….. Bevölkerung die Möglichkeit zu schaffen, ihre Kenntnisse zum Nutzen des gesamten Volkes und eines schnellen wirtschaftlichen und kulturellen Wiederaufbaus zu erweitern, soll nun auch unsere Oderstadt eine Volkshochschule erhalten. …. Es ist keine Schande, etwas nicht zu wissen, wohl aber etwas nicht lernen zu wollen, zu dem einem die Gelegenheit geboten ist, sollte der Leitspruch für den Besuch der Volkshochschule sein.“
Hier Ankündigungen aus den Lehrprogrammen der Jahre 1947/1948.
• Aktuelle Probleme der Schulreform
• Können alle Menschen der Erde satt werden?
Was weißt Du von der Erde?
• Deutsche Geschichte, germanische Vor- und Frühgeschichte
bis zum Mittelalter
• Russsiche Geschichte von Kiew und Leningrad
• Frankfurt, wie es war und wurde
• Demokratie und Humanismus
• Seuchenkrankheiten und ihre Bekämpfung; Hygiene
• Chemie und die scheinbar unbelebte Natur
• Rechenarten des täglichen Lebens
• Lamarck und Darwin
• Der Krieg und seine Überwindung in der Dichtung
• Malen, Zeichnen, Modellieren
• Die Entwicklung der Kunst von den Aegyptern bis zu uns
• Russisch, Französisch, Englisch, Latein
• Deutsch in Rede und Schrift, Stenographie
• Buchführung
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Geprägt durch die unterschiedlichen Bildungsansätze in beiden Teilen Deutschlands und die ideologische Verankerung im Bildungssystem nahm die Institution Volkshochschule in der DDR einen anderen Weg als in den alten Bundesländern. Je nach bildungspolitischer und wirtschaftlicher Schwerpunktsetzung wurden der Volkshochschule wechselnde Bildungsaufgaben zugewiesen. Waren in den ersten Jahren nach dem zweiten Weltkrieg wie oben aufgelistet auch allgemeine Themen der Lebenshilfe, der Geschichte, Literatur, Naturwissenschaften in den Programmen zu finden, so gab es Ende der 40er Jahre (Einführung von abschlussbezogenen Berufsfachkursen, Schaffung von Betriebsvolkshochschulen) und in den 50er Jahren starke inhaltliche Zäsuren (zunächst kulturelle Bildung als Schwerpunkt, dann Streichung des Vortragsprogramms, deutliche Verschulung und Gleichschaltung mit dem Schulsystem im Bereich Zweiter Bildungsweg Ende der 50er Jahre).
Offene Angebote der allgemeinen und kulturellen Bildung nahmen nur einen kleinen Teil ein bzw. waren anderen Einrichtungen wie der Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse / Urania und den Kultureinrichtungen vorbehalten.
Der starke schulische Charakter, die Einbindung in das staatliche Bildungssystem mit seinen starren inhaltlichen und ideologischen Vorgaben war charakteristisch für die Einrichtung bis 1990. Aber auch ihre Flexibilität unter differenzierten Zielstellungen Bildungsangebote zu entwickeln und umzusetzen. Beispiel dafür ist Ende der 70er Jahre der Auftrag (Beschluss des Ministerrates der DDR) mit ihren Angeboten „zur Entwicklung des allgemeinen Bildungsniveaus und zur Bereicherung des geistig-kulturellen Lebens in den Wohngebieten beizutragen.
Für Frankfurt (Oder) mag die „Diskjockey-Ausbildung“ als Beleg dafür herhalten.
Trotz „Verschulung“, zentralistischer Steuerung und ideologischer Instrumentalisierung kann man den Anspruch der Einrichtung und der in ihr Lehrenden, junge Menschen zu beraten und zu fördern, ihnen eine zweite Chance zu bieten, Bildungslücken zu schließen, damit sie im beruflichen Leben vorankommen und am gesellschaftlichen Leben teilhaben konnten, nicht verleugnen.
Es gibt eine Reihe von Frankfurtern, die heute hier beruflich erfolgreich sind oder z.B. engagiert in Kommunal- und Landespolitik wirken, die die Voraussetzungen für ihren Werdegang auch an der Volkshochschule erworben haben. 1990 sollte „abgewickelt“ werden!
Für die damals beschäftigten Lehrer/innen der Volkshochschule und auch die Teilnehmer/innen, die sich auf die Schulabschlüsse vorbereiteten, dürften das Weihnachtsfest 1990 und der Ausblick auf das neue Jahr sorgenvoll gewesen sein. „Die Landesregierung, die seit der Länderbildung die Hoheit über die Bildung besitzt, wickelt jetzt eine Reihe Bildungseinrichtungen ab (oder sollte man besser formulieren: sie entledigt sich dieser aus der Finanznot?).“, schreibt der Frankfurter Stadtbote in seinem Bericht über die Beratung des Kultur-, Bildungs- und Sportausschusses am 21.12.1990
Ausgerechnet die sozialdemokratisch dominierte Landesregierung (damals Koalition aus SPD, Bündnis 90 und FDP), mit ihren Beratern aus Nordrhein-Westfalen, wo Volkshochschule im Weiterbildungsgesetz als die Einrichtung der Erwachsenenbildung sanktioniert ist, sah in der Einrichtung hier keine Notwendigkeit?! Nach Protesten der verantwortlichen regionalen Politiker, von Mitarbeiter/innen und Teilnehmer/innen wurde die Entscheidung zur Abwicklung zurückgenommen. „VHS war schon von der Rolle – jetzt wird sie wieder ‚aufgewickelt’“, titelt die Frankfurter Morgenpost im Februar 1991. Kommunalisierung hieß das „Zauberwort“ zur Rettung. Die Volkshochschule, zuvor Teil des staatlichen Bildungssystems mit festangestellten Lehrkräften, wurde offiziell 1992 per Stadtverordnetenbeschluss städtische Weiterbildungseinrichtung. Drei Mitarbeiterinnen wurden übernommen, der sogenannte zweite Bildungsweg (Schulabschlüsse) blieb in der Verantwortung des Landes, jedoch an der Volkshochschule verortet. Eine Tradition, die sich auch heute bewährt.
Damals war die Rede von der Drittelung der Kosten für die Einrichtung und davon, dass die Volkshochschule dies nie schaffen werde. Von der Drittelung ist man heute tatsächlich weit entfernt, nachdem sich das Land immer weiter, auf ca. 18-20%, zurückgezogen hat. Die verbleibenden 80 % teilen sich Stadt und Bürger.
Lesen Sie weiter im nächsten Abschnitt.
Volkshochschule heute
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